Die just erschienene Studie „Jugend/YouTube/Kulturelle Bildung. Horizont 2019“ des Rats für Kulturelle Bildung zeigt, dass audiovisuelles Lernen in Form von Webvideos für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren von großer Bedeutung ist. Die Video-Plattform YouTube, mit einer Nutzung von 86 Prozent digitales Leitmedium, wird von nahezu der Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler auch für das schulische Lernen genutzt und 60 Prozent der Befragten wünschen sich im Unterricht eine kritische Auseinandersetzung mit den Videos und der Plattform – so ein zentrales Ergebnis der Studie mit deutschlandweit 818 Befragten, die das unabhängige Expertengremium Rat für Kulturelle Bildung ausgewertet hat. Viele der Jugendlichen berichten, dass die Videos sie anregen, selbst künstlerisch aktiv zu werden – sie fühlen sich z.B. im Bereich der Musik zum Nachahmen und Mitmachen inspiriert. Die Studie zeigt aber auch, dass sich Jugendliche der Grenzen von Webvideos im Vergleich zum Unterricht bewusst sind: Positiv sehen sie die ständige Verfügbarkeit des Mediums und auch die Form der Inhaltspräsentation. Aber als großer Vorteil des Präsenzunterrichts wird der persönliche Kontakt und Austausch mit den Lehrenden (und in der Schule mit den Mitschülerinnen und -schülern) eingestuft.

Für den Landesverband der Musikschulen in NRW ist die Nutzung von audiovisuellen Medien eine Ergänzung und durchaus eine Bereicherung des Unterrichts an öffentlichen Musikschulen. Jedoch können die Video-Tutorials den Präsenz-Unterricht nicht ersetzen. Denn zu den größten Stärken des Musikschulunterrichts gehört der persönliche Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden und nicht zuletzt der Lernenden untereinander, wie etwa beim gemeinsamen Musizieren im Ensemble. Die zwischenmenschliche Begegnung im Instrumental- und Gesangunterricht ist zudem als Übungsfeld persönlicher Kommunikation zu sehen, in der Wertschätzung eine Rolle spielt.

Auch können langfristig angelegte pädagogische Konzepte in der musikalischen Bildung nicht durch Webvideos ersetzt werden. Virtuelle Ergänzungen, wie YouTube und andere audiovisuelle Medien, können den herkömmlichen Unterrichtsformen neue und bisher nicht mögliche Impulse verleihen. Insbesondere die Teilhabe an Musikschulangeboten im ländlichen Raum ist oftmals mit langen Anfahrten der Schülerinnen und Schüler und auch Lehrkräfte verbunden. Hier kann ein pädagogisch vertretbarer Wechsel zwischen traditionellem Präsenzunterricht und virtuellen Unterrichtsformen die finanziellen und zeitlichen Belastungen der Beteiligten deutlich senken. Zudem können die Videos Inspiration und Anregung zur eigenen künstlerischen Praxis der Jugendlichen sein.

Eine zeitgemäße Nutzung des Mediums wird – nicht zuletzt aufgrund des hohen Interesses sowie der alltäglichen Präsenz von YouTube und Co. in der Alltagswelt der Jugendlichen – auch in der öffentlichen Musikschule aufgegriffen. So finden Unterrichtsformen mit virtuellem Anteil oder medialer Ergänzung inzwischen statt und werden positiv bewertet. Im Zuge dessen werden derzeit auch Lehrkräften an Musikschulen im Umgang mit digitalen Anwendungen fortgebildet, beispielsweise im Netzwerk RuhrMusikSchulen im LVdM NRW.

Dringend erforderlich ist jedoch jetzt die Ausstattung der Musikschulen mit den technischen Voraussetzungen, die auch der Digitalpakt für die Schulen beschreibt.